Ein Artikel zur Studienreise nach Belgrad vom 17.-24.09.2010 in den Potsdamer Neueste Nachrichten vom 12.11.2010.
Download >> “Der Sound der Stadt” (PDF)
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Ein Artikel zur Studienreise nach Belgrad vom 17.-24.09.2010 in den Potsdamer Neueste Nachrichten vom 12.11.2010.
Download >> “Der Sound der Stadt” (PDF)
Noch ist der ironische Zorn nicht da ist, wo er sich vergegenständlichen kann. Das liegt nicht nur an mir. Es geht um den erzwungenen oder selbst verordneten “Schlaf der kritischen Intelligenz” in Analogie zum “Schlaf der Vernunft”. Der Hintergrund: Wahrscheinlich wird es in Europa keine Rückkehr der Instanz des Intellektuellen mehr geben können. Nicht erst seit 89 wird die Geschichte von den “Gewinnern” von Geschichte mit Geschichten umgeschrieben, zum Vorteil derjenigen, die am Grab der Vergangenheit jede andere Perspektive verabschieden. Damit ist auch jede Form von Widerstand vorerst ad acta gelegt. Der Begriff der Widerständigkeit war mal in Europa das Rückgrad der kritischen Intelligenz. Damit ist es vorbei. Also: Die kritische Instanz muss ihren Platz endgültig wohl endgültig räumen und ins Exil der Möglichkeit wandern.
Darf es noch etwas Schönes sein?
Titel des Beitrages von Arthur Engelbert zur Präsentation des Buches “Die schöne Stadt” im Rahmen der Mastertage Bau im Hauptgebäude der FH-Potsdam.
Download >> Flyer: Mastertage Bau (PDF)
Arthur Engelbert im Gespräch mit Winfried Gutzeit,
in: forum – Das Brandenburgische Wirtschaftsmagazin – 10/2010, S.18f.
Download >> The_Sound_Of_Silence 1 (PDF)
Download >> The_Sound_Of_Silence 2 (PDF)
Man kann Klangmuster der Stimme an dem Ort ihrer Entstehung finden, man kann diese Lokalitäten aufsuchen und selbst in den Prozess von Stimme und Körper eine Position zu finden suchen: Wenn es so etwas gibt, wie gestische Hörraume, dann ist Mumbai ein Beweis dafür: Eine Million Menschen kommen jeden Tag morgens an der Victoria Station, dem alten Kolonial-Bahnhof aus dem 19. Jahrhundert, an und verlassen abends über ihn auch wieder die Stadt. Menschenmengen in der Größenordnung von 300 Fußballstadien bevölkern diese Stadt, sie sind die soziale Botschaft einer Stimme, einer Stimmung, fast lautlos, währenddessen andere Geräusche um Aufmerksamkeit geradezu vehement oder im Stillen ringen, wie das endlose Hupen, weil man ja niemanden verletzten will, der gerade hier oder dort vorbei läuft; oder man macht es wie die viel zu vielen Krähen, die nur penetrant laut sind.



Beteiligte in der Ausstellung: Valentin Lorenz, Arthur Engelbert, Anja Meyer, Sebastian Ortmann, Carsten Weber und Felix Urban
(Yossi Mar-Chaim, Markus Thon, Anna-Lena Wollny)
Eine Gruppe von Studierenden der Studiengänge Kulturarbeit und den Europäischen Medienwissenschaften reist in die serbische Hauptstadt Belgrad:
Durch die Reise – gefördert vom DAAD – soll eine Kooperation mit der University of Arts in Belgrad eingeleitet werden. So wurden über Prof. Milena Dragićević Šešić (School of Drama Arts) in engem Kontakt mit Sunčica Milosavljević, der Koordinatorin für internationale Beziehungen, Treffen mit der Rektorin Prof. Ljiljana Mrkić Popović, und Vize Prof. Dimitrije Golemović und Professoren der künstlerischen Fächer der Universität verabredet.
Mit dem Besuch der Galerija Remont sowie der Teilnahme an der Eröffnung der 14. Biennial of Art in Pancevo, den Besuchen von Kulturinstitutionen, Museen, Galerien und den vereinbarten Treffen mit Kulturschaffenden wird ein weiterer Schwerpunkt der Studienreise auf die Auseinandersetzung mit zeitgenössischer Kunst gesetzt.
In Ergänzung dazu ist ein akustisches Experiment eingeplant. Die Initiative für die Exkursion entwickelte sich aus dem Studienfeld „European Balkan Beats“. Dass Balkan Beats als „kulturelles Phänomen“ seit 2007 in verschiedenen Seminaren und Projekten behandelt.
Ausstellung am 01.10.2010 im Haus 1, Berlin-Kreuzberg
“Voices of the City” (siehe auch >> essay )
zeigt künstlerisch-experimentelle Projektergebnisse von Studienreisen des Studienganges Kulturarbeit der FH Potsdam. Die eintägige Ausstellung legt den Fokus auf akustische Phänomene, die in der „Maximum City“ Mumbai und „der heiligen Stadt“ Jerusalem beobachtet, erforscht und aufgezeichnet wurden. Das Ergebnis sind Sound- und Videoinstallationen, Fotografien und Texte, die von Studierenden des Studiengangs Kulturarbeit, teilweise in Kooperation mit Künstlern vor Ort, entstanden sind.
Die in den letzten zwei Jahren durchgeführten Exkursionen nach Mumbai und Jerusalem sind Teil des seit 1999 andauernden Studien- und Forschungsfeldes cultrans, das mit zahlreichen Projekten von Potsdam ausgehend über Kairo, Mexico City, Hong Kong, Gibilmanna und Johannesburg führte.
„Wir partizipieren an dem globalen Diskurs, in dem wir uns verorten und ihn historisch reflektieren und aktualisieren. Dies können wir nicht, ohne dass wir uns einmischen.“
Unter diesem Vorsatz des cultrans-Konzeptes werden in jeweils anderen kulturellen Kontexten Diskurse verfolgt, Projekte durchgeführt und Ergebnisse erarbeitet.
Datum: 01.10.2010 ab 19.00 Uhr
Ausstellungsort: Haus 1
Adresse: Waterloo-Ufer (U-Hallesches Tor) (Grünes Haus am Kanal)
Programm: Eröffnung 19.00 Uhr, Dj Set Felix Urban ab 22.00 Uhr
Beteiligte und Mitwirkende in der Ausstellung:
Valentin Lorenz, Yossi Mar-Chaim, Arthur Engelbert,
Anja Meyer, Sebastian Ortmann, Carsten Weber
und Felix Urban
„Was draußen wartet“ – Häuser ohne Hüter.
Die diesjährige Berlin Biennale hat im Sinne von diskursiver Intervention alles richtig, aber nichts wirklich gut gemacht, wenn auch manche der Beiträge für sich genommen, eindrucksvoll einen Themenkomplex referiert oder reflektiert haben, wie beispielsweise Petrit Halilaj skelettartige Rekonstruktion seines Familienhauses und drum herum aus dem Kosovo in der Haupthalle der Kunstwerke, aber insgesamt nivelliert sich die Vielfalt des gleich Gemeinten, obwohl mit zu Füßen zu tretende Ausnahmen – wie die in Berlin eingesammelten Teppiche von Hans Schubus im alten, leer stehenden Handelshaus am Oranienplatz, dem Hauptquartier der Biennale – dabei waren. Schubus hat noch ganz woanders, nämlich in seinem Haus, seinem Atelier einen Schacht gegraben, der wie ein Noteinstieg oder Notausstieg funktionieren kann. Vielleicht braucht man ja mal einen Tunnel, um den Ort der Kunst unbemerkt zu verlassen.
Mumbai 25.6.–4.7.2010
Unsere Studienfahrt nach Mumbai stand im Schatten des Regens. Und vieler guter Tage, die trocken blieben. Eines vergisst man natürlich nicht, dass es sich durchaus lohnt, über die alltäglichen Dinge, die uns beschäftigen, hinwegzusehen und zu lächeln. Elektrisch ist dann der Kontakt. Ein Funke, den man braucht, um zu leben, zu überleben und zu kommunizieren. Staunend haben wir in der alten Victoria Station Railway in Mumbai den an- und abrückenden Menschenmassen zugesehen. Wie viel an Selbstgewöhnung bzw. Selbstüberwindung dazu gehört, um im Trott der Vielen mitzulaufen, kann man sich gar nicht vorstellen. Das Gefühl für die Masse kennen wir aus Mitteleuropa nur strategisch, ästhetisch in falschen Triumphen oder in dem Willen zur Macht verklärt.
Hier aber ist es bitterer Alltag, der drückt, aber auch unglaublich bewegt, dynamische Ventile kreiert: Wahrlich Mumbai ist eine Stadt, die dazu berufen ist, das Leben unter den Bedingungen, das sich nicht fassen, geschweige denn steuern lässt, zu überwinden, es irgendwie mehr erträglich zu machen. Das ist ungeheuer, ungeheuer viel.
Jedes Lächeln ist im Gegenüber den widrigen Umständen auf eine oft bezaubernde, überwindende Weise abgerungen. Es ist kein oberflächliches smiling. Bleckende Zähne sind stumme Zeichen der Gewalt.
Im Gegensatz zur westlichen Kultur ist das Lächeln in den Straßen von Mumbai oft ganz zweckfrei, nicht so zähneknirschend, wie wir es notgedrungen und nicht besser wissend produzieren. Wir haben unser Projekt „Voices Of The City“ sozusagen im Gegenzug mit Gesichtern verknüpft, die wir schätzen gelernt haben. Was auch immer die indische Kultur anderes meinen mag, nur der Einzelne zählt für mich.
Dass man zwischen “Innen und Außen, Hier und Dort, Jetzt und Später” unterscheiden kann, ist gut, aber dass man deswegen eine Ausstellung besuchen muss, in der der Berliner Bürgersteig durch Pflastersteine zitiert wird oder in der Spiegelungen, die ihre flüchtigen Geschichten haben, präsentiert werden, scheint doch zu sehr konstruiert – trotz aller sinnlichen Vordergründigkeit.
Selbst Werbung setzt nicht nur auf Ästhetik von Oberflächen, sondern thematisiert auch andere Ebenen, “tiefere” Schichten.
Nur allzu gut passen die geknickten Spiegel, diffusen Farbräume und unregulierten Wasserspeier von Olafur Eliassons ins vordergründige und restaurative Programm der Berliner Fassadenrepublik, in dem bunten Basar einer Eventstadt.
